Laudatio von Gustav Weltrich zum 40 jährigen Jubiläum FWG
Wartenberg. Vor 40 Jahren, am 22. April 1972, wurde im Bergcafé Wartenberg die Freie Wählergemeinschaft Wartenberg (FWG) gegründet.
Bereits ein Jahr zuvor fasste man den Beschluss, eine Freie Wählergruppe in Wartenberg ins Leben zu rufen, damals noch unter dem vorläufigen Namen „Überparteiliche Wählergemeinschaft“. Als FWG stellte man sich dann gleichberechtigt neben die etablierten Parteien.
1966 bei der Kommunalwahl gab es nur Listen von Parteien, die zwar auch Parteifreie aufnahmen, aber diese kamen dann als Mandatsträger schnell unter den Druck in die Partei einzutreten. Es war regelmäßig ein Angriff auf die Kommunale Selbstverwaltung, sagte Weltrich. Als Beispiel führte der Altbürgermeister an: Als Mitte der 80er Jahre der Markt Wartenberg daran ging einen Kinderhort zu errichten, war ein solcher bei den verantwortlichen CSU-Sozialpolitikern in Kabinett und Landtag in München noch nicht erwünscht. Mutter und Kind gehören nach Hause, war noch die Devise. Er wurde deshalb auch nicht bezuschusst. Pflichtbewusst hatten die CSU-Markträte nun ebenfalls Vorbehalte.
Nach fünfjährigem Warten ergab sich die Möglichkeit, einen „Hort an der Schule“ – damals ein Versuchsobjekt - zu errichten, das dann auch kurzfristig bezuschusst und von Regierung und Markträten toleriert wurde. Weltrich: "Das Selbstverwaltungsrecht ist ein Grundrecht und kein Gnadenrecht und es ist stets in Gefahr, wenn der Weg von der Gemeinde über Landkreis zur Regierung durch Gleichschaltung der Organe über die Parteipolitik wie das Beispiel zeige läuft."
So schreibe Volker Heiduk auch in der letzten Ausgabe der Freien Wähler: " Der Einsatz von Ideologien oder eine Ausrichtung von Kommunalpolitik an Parteiprogrammen ist für die Kommunen weder wichtig, noch nutzt sie ihnen, sondern stellt meist einen Hemmschuh dar“. , Angesichts der geschilderten Gegebenheiten, der ungerechtfertigten Einflussnahmen der Parteien und der Gefährdung der Kommunalen Selbstverwaltung, aber auch der Verwehrung unbehinderter Zugangsmöglichkeiten von Nicht-Parteimitgliedern, war es ein Gebot der Zeit, eine Plattform für alle jene zu bilden, die bereit waren, sich für ihre Gemeinde zu engagieren und dabei parteifrei bleiben zu können.
Dies waren also die Gründe, warum die Freie Wählergemeinschaft Wartenberg gegründet wurde. Um die vielen mittlerweile gegründeten parteifreien Wählergemeinschaften in Bayern zu unterstützen, wurde sechs Jahre später, 1978, der Landesverband Bayern der Freien Wählergemeinschaften als Dachverband in München ins Leben gerufen , bei dessen Gründung die FWG Wartenberg vertreten war und dem sie beitrat.
Bei der Gemeinderatswahl am 11. Juni 1972 errangen dann Walter Gebhart sen. und Gustav Weltrich die ersten zwei Gemeinderatssitze . 1978 waren es dann schon drei Sitze, Hermann Gromes sen. kam noch hinzu. 1984, an der Spitze der FWG stand nun Dr. Jürgen Hopf, bot man mit Gustav Weltrich erstmals auch einen Bürgermeisterkandidaten an, der gegen den amtierenden Bürgermeister Stuhlberger antrat.
Die FWG feierte einen gewaltigen Sieg: Weltrich errang den Bürgermeistersessel und mit Walter Gebhart, Hermann Gromes, Dr. Jürgen Hopf, Anton Mayr und Hans Pfanzelt hatte man nun sechs Mandate und die absolute Mehrheit im Gemeinderat. Seit 1990 erhöhte sich die Zahl der Markträte von 14 auf 16 Mandate plus Bürgermeister und 1990 erhöhte die FWG ihre Mandatszahl auf sieben: Weltrich , Anita Grün, Theresia Huber, Walter Gebhart, Dr. Jürgen Hopf, Anton Mayr und Hans Pfanzelt. Bei der nächsten Wahl 1996 verlor die FWG ein Mandat. Mit großer Bestürzung musste dann die FWG am 5. Mai 2001 von ihrem Motor Dr. Jürgen Hopf, Abschied nehmen.
Bei der Wahl 2002 kam für die FWG der große Aderlass: Der erste Bürgermeister wurde nun hauptamtlich gewählt. Außer Weltrich ( 18 Jahre Bürgermeister) stand Dr. Hopf nicht mehr zur Verfügung, ebenfalls zogen sich Theresia Huber , Anita Grün, Hans Pfanzelt und Stefan Will zurück. Die FWG wurde auf das Ergebnis von 1978 zurückgeworfen. Peter Schickinger (FWG) kam aber bei der Wahl des Bürgermeisters in der Stichwahl auf stattliche 40% gegen Walter Rost. In den Marktrat schafften es neben Peter Schickinger noch Walter Huber und Manfred Ranft.
2008 galt es diese Delle auszumerzen. Mit 37% der Stimmen kam Manfred Ranft in die Stichwahl gegen Eduard Ertl (44%). Jetzt bewährte sich die Zusammenarbeit mit der SPD, mit der es sogar eine Listenverbindung gab. Manfred Ranft siegte mit 50,67% der gültigen Stimmen bei 60% Wahlbeteiligung. Der hauchdünne Sieg ruhte auf einem Vorsprung von nur 29 Stimmen. Die FWG kam damit auf 6 Mandate, neben den schon etablierten Gemeinderäten Manfred Ranft, Walter Huber und Peter Schickinger kamen neu ins Gremium Dr. Heike Schmidt-Kronseder, Walter Gebhart und Paul Neumeier.
Weltrich: " Alle großen Erfolge in der Gemeindepolitik seit 1984 gründeten auf dieser loyalen und vertrauensvollen Zusammenarbeit. Alle Erfolge waren Erfolge von FWG und SPD. Ohne SPD wäre Manfred Ranft heute nicht Bürgermeister. Und ohne FWG wäre August Groh heute nicht Zweiter Bürgermeister.
Die folgende Aufzählung der einzelnen Erfolge der FWG, die mit der SPD erzielte wurden sind ausführlich in Buch von Gustav Weltrich „40 Jahre FWG Wartenberg“ nachzulesen. Für die FWG Wartenberg gibt es, so Weltrich, auch eine sehr rosige Gegenwart. Auch die Zukunft ist hoffnungsvoll. Er glaube, dass die Wahl 2014 wieder ein Triumph für die Freie Wählergemeinschaft wird. -bs- Moosburger Zeitung vom 24.04.2012